Charly und Sally
Geschichten von und über Charly und Sally
Hallo, ich bin Charly und werde Euch ein bisschen was über meine Sally und mich erzählen.
Nicht wie in einem Lebenslauf geradlinig und schön der Reihe nach, sondern so „wie mir der Schnabel gewachsen ist“.
Ihr werdet dann natürlich auch etwas über unseren Menschenschwarm erfahren, dies sind „Papa“ Klaus, „Mama“ Sonja und Fabian (von ihm habe ich es, dass man die zwei nur Mama und Papa rufen muss, damit man - oder Papagei - Antwort bekommt)
Ich bin übrigens etwa 4 Jahre alt, genau kann ich es Euch nicht sagen, da mir so etwas egal ist. Meine Sally ist viel jünger, sie ist jetzt knapp
1 Jahr bei uns und war damals ungefähr 11 Monate alt.
Sie wird Euch später vielleicht auch noch ein paar Dinge erzählen, mal seh’n.
Wie ich zu meinem jetzigen Zuhause und Menschenschwarm kam
erzählt von Charly
An meine Papageieneltern kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Ich war damals noch zu klein, als ich von meinem ersten Ersatzpapa gefüttert und aufgezogen wurde. Warum das so war, ob meine Mama mich nicht fütterte oder einfach nur, weil ich mich dann besser verkaufe ließe – ich weiß es nicht. Aber es ging mir gut. Eines Tages kam dann ein anderer Mann und nahm mich mit.
Bei ihm hatte ich es ebenfalls gut, hatte einen großen Käfig und er war viel bei mir. Nur seine Frau mochte ich nicht so. Die sagten dann ich sei ein „Männervogel“, was das wohl heißt?
Dort hatten sie noch andere Vögel – Amazonen. Oh weh, mit dem Hahn davon vertrug ich mich überhaupt nicht. Wir schrieen und kreischten uns über die Entfernung schon an – jeder lauter als der andere. Ob der was dagegen hatte, dass ich auch ein Hahn bin? Von seiner Henne wollte ich doch gar nichts.
Ein paar Worte bayrisch habe ich damals auch gelernt, aber mittlerweile schon so gut wie vergessen.
War ja klar, dass das nicht lange gut gehen konnte. Eine Lösung musste her.
Entweder den Hahn von einem kompletten Paar, mit regelmässigem Nachwuchs, abgeben oder den Neuankömmling. Wie es meist ist, zog ich den Kürzeren. Aber wer weiss, vielleicht war das ganz gut so ….
Denn jetzt bin ich hier gelandet. Das ging so.
Mein Besitzer schrieb mich in einer „Annonce“ aus, die las Klaus und rief an. Da es unter der Woche war hiess es sie kommen am Wochenende und holen mich ab. Mein Besitzer sagte zu, dass er mich so lange reservieren würde. Mann ich bin doch keine Sache, die man so einfach reserviert! Na, das kann ja heiter werden.
Doch dann kamen sie. Klaus und Tina mit einem grossen Auto, in das auch mein Käfig mit eingeladen wurde. Und dann ging es los auf eine lange Fahrt.
Angekommen bin ich dann vom tiefsten Bayern im „Schwobaländle“. Das klang ja ulkig wie die gesprochen haben.
In meinem neuen Zuhause gab es noch weitere Tiere. Minka, die schwarze Katze, Gina, die Terrierhündin – kaum grösser als Minka. Dann gab es noch zwei grosse Aquarien und ein Terrarium mit Schlangen.
Au Mann, war das aufregend.
Ein anderer grosser Mensch wohnte hier auch, von meinen neuen Menschen wurde er Kevin gerufen. War ja klar, dass ich das auch schnell raus hatte. Genauso wie: „Gina, geh runter“, „Gina, aus“, „Minka“, „Zigeuner“, und noch manches mehr.
Irgendwann war es dann komisch. Die beiden grossen waren laut und dann war Papa weg. Hat seinen Computer mitgenommen und ein paar Klamotten.
Halt – was soll das – ich will doch mit! Papa?
Nach 1-2 Tagen kam Papa dann wieder und holte mich ab, mit einem kleinen Käfig, aber das war egal, Hauptsache ich war bei meinem Papa.
Die Fahrt ging nicht so lange wie beim letzten Mal, dafür dann aber einige Stockwerke hoch. Da war dann ein anderes Langhaarwesen (Frau) und ein Junge. Wir beäugten uns von der Ferne und mehr wollte ich im Moment auch nicht. Ich wollte nicht mal was essen oder trinken. Zwei Tage lang.
Aber dieses Langhaarwesen ist ganz schön fies – hielt mir eine Traube unter den Schnabel als ich bei Papa auf der Schulter sass. Eine Traube – mein Lieblingsobst.
So fies – also, hhm, sie ist vielleicht gar nicht so übel, sie weiss sogar, dass ich Trauben liebe. Das T-Shirt kann man waschen hat sie nur gemeint.
Ab da ging es dann wieder aufwärts. Ich hab mich mit Fabian und Sonja, die ich mittlerweile auch oft Mama nenne, angefreundet.
Über meinen Schlafkäfig bekam ich dann einen grossen Ast gehängt, vor dem ich erst mal richtig Angst hatte. Aber dann merkte ich, dass es grossen Spass macht, wenn ich darauf sitzen, rumturnen und knabbern kann.
Der Platz zum Fliegen war zwar insgesamt nicht so gross wie in der anderen Wohnung, aber es ging trotzdem. War ja auch nicht für lange. Meine Familie war dann eine Zeit lang viel weg, sie sagten sie renovieren die andere Wohnung, dass wir mehr Platz haben.
Dann kam der Tag des Umzuges. Sie „packten“ mich in einen Rucksack – keine Sorge, es ist ein Papageienrucksack – und wir fuhren zurück in die „alte“ neue Wohnung.
Sie sah anders aus als sonst und auch Gina und Minka waren nicht mehr da. Genauso wie die Schlangen und eines der Aquarien. Ich hab dann noch ein paar Mal nach Minka und Gina gerufen, aber sie blieben weg.
Mein Platz war nun auch nicht mehr dort, wie am Anfang, ich war jetzt da, wo sonst das zweite Aquarium gestanden hatte, also ganz nah bei den Fischen und bei der Balkontüre – jetzt bekomme ich sogar direkte Sonne ab, wenn auch nur zeitweise.
Da ich jetzt meinen grossen Käfig wieder hatte, stellten sie den kleinen nach draussen auf den Balkon. Wenn sie jetzt draussen sitzen oder auch so, wenn sie Zuhause sind, darf ich in diesen und kann die Nachbarn ein wenig ärgern. Ich erzähle dann Geschichten oder kreische ganz laut und schrill. Am meisten Spass macht das den Kindern, sie stehen dann immer am Balkon und reden mit mir.
Meinen Hängeast habe ich auch wieder bekommen, aber nicht mehr über dem Käfig, sondern im anderen Zimmer, Arbeitszimmer wie meine Menschen sagen.
Da darf ich dann mit, wenn die zwei an ihren Computern sitzen.
Ach ja, da fällt mir noch was ein:
Ein ganz grosses dickes liebes Dankeschön an unsere Nachbarn, die sich bisher noch nicht über mich (und meine Sally) beschwert haben. Vielen Dank!
Sally, wer das ist – grins – meine Partnerin. Warum ich bisher noch nichts über sie erzählte? Weil, sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht bei mir war. Deswegen erzähle ich euch später von ihr.
Mein – nein- unser Unsinn und Dinge, die zum Leben als Papageienhalter nun mal auch dazu gehören.
erzählt von Charly
Och Mann, meine Mama will, dass ich Euch was darüber erzähle, was nicht ganz so schön uns lustig für Euch Menschen ist. Das was sie Dreck, Schmutz und Kaputtmachen nennt. Sie sagt, das gehört auch dazu und nicht nur die schönen Dinge. Jeder der sich Papageien (oder auch andere Tiere) anschafft, muss sich im Klaren darüber sein, was da auf ihn zukommt. Hat sie vielleicht nicht ganz so unrecht damit, was meint ihr?
Wisst ihr wie laut ein Papagei sein kann? Habt ihr Nachbarn, die das auch mal mitmachen oder fangen sie gleich zu schimpfen an? Seid ihr bereit kaputte Türen und Möbel in Kauf zu nehmen? Und auch den Staub, den vor allem Graupapageien machen? Von dem restlichen Dreck ganz zu schweigen. Ebenso unsere Kleckse, die sich leider auch mal auf Euren teuren Teppichen verteilen.
Meine - entschuldige Sally - unsere Mama und Papa putzen jeden Tag den Futterplatz in der Voliere. Okay - mindestens zweimal.
Sie müssen jeden Tag Staub wischen und saugen. Jeden Tag ist vor der Voliere unser Futter verstreut, weil wir – ich gebe zu – ich mich im Körnerspelzen-Weitwurf übe. Das eine oder andere Obststückchen ist dann auch dazwischen.
Mama sagt, bis jetzt sind wir was Möbel und Türen kaputt machen betrifft, noch brav, sie hat da schon ganz andere Bilder gesehen. Sie hofft, dass das bei uns nicht genauso wird.
Ich glaube, das reicht mal fürs Erste.
Mama will, dass ich Euch noch ein paar Bilder zeige, die sie als Beweisfotos gemacht hat.
Wie ich meine Sally kennenlernte
erzählt von Charly
Da meine Menschen oft länger arbeiten müssen, meinten sie, dass ich alleine bin und sie wollten nicht, dass ich mich dann langweile und niemanden zum spielen hab. Sie meinten, ich bräuchte einen anderen Graupapagei, am besten eine Henne. Sie suchten dann eine Weile.
Dann eines Tages, packten sie den Transportkäfig und fuhren los. Hä, was soll das denn? Habt ihr mich denn nicht vergessen einzupacken? Nein, ich durfte nicht mit, sie fuhren ohne mich. Was das wohl wird?
Papa und Mama erzählten dann später, dass sie in die Nähe von Heidelberg fuhren um dort bei einem Züchter eine Henne anzusehen. Nicht mal Fabian wusste was davon. Es hätte ja sein können, dass es nicht klappt.
Aber es hat geklappt. Sie haben dort eine kleine Papageiendame gefunden. Der Züchter hat sie dann in den Transportkäfig gesetzt – Mama und Papa durften da aber nicht mit dabei sein. Der Züchter hat es ihnen so erklärt, dass die Kleine dann die Stimmen nicht hört und sie nicht sieht und somit nicht „die Bösen“ sind und nicht so grosse Angst vor ihnen bekommt.
Sally, so wurde sie von unseren Menschen genannt, ist eine sogenannte Naturbrut, das heisst sie durfte bei ihren Papageieneltern bleiben, bis sie alt genug war.
War ich vielleicht überrascht als sie mit einem vollen Transportkäfig zurück kamen. Da sass eine bildhübsche Dame drin.
Unsere Menschen holten dann den Balkonkäfig herein (und wo soll ich jetzt auf dem Balkon hin?) und säuberten ihn für Sally. Sie sagten, wir müssten uns erst aneinander gewöhnen, genauer gesagt, ich müsse mich erst Mal an einen anderen Graupapagei gewöhnen, da ich ja unter Menschen aufgewachsen bin.
Sie stellten die Käfige nebeneinander, so dass wir uns sehen, aber nicht berühren konnten. War ganz schön gemein.
Sally durfte die ersten Tage dann noch nicht aus ihrem Käfig heraus. Mir erlaubten sie aber meinen Freiflug trotzdem, aber immer unter Beobachtung. Schade, ich hätte doch zu gern mal probiert wie die da drüben schmeckt.
Nach etwa zwei Wochen durfte auch Sally raus. Papa machte oben an ihrem Käfig das Dach auf und steckte die Sitzstange dazwischen. So konnten wir mal auf „Knabberfühlung“ gehen.
So lernte ich meine Sally kennen. Es war eine langsame Annäherung. Wir wurden Freunde, spielten und stritten zusammen.
Mittlerweile sind wir etwa ein Jahr zusammen, wir kuscheln, füttern uns, schnäbeln, putzen uns gegenseitig – wer weiss, vielleicht wird irgendwann auch mehr daraus. Natürlich streiten wir auch, meist weil ich sie ärgere, aber das gehört doch dazu – oder nicht?
Leider hat sich Sally als sie zu uns geholt wurde die Schwungfedern abgeschlagen. Sie hatte so panische Angst als sie in den Transportkäfig gesteckt wurde. Der erste Flügel ist schon wieder nachgewachsen, nur am rechten fehlen ihr noch die Federn. Sie hat vor kurzem die nachwachsenden Federn wieder abgeknickt. Mann, sie soll doch aufpassen, aber sie tobt nun manchmal genauso rum wie ich. Aber das wird noch werden. Dann können wir gemeinsam unsere Runden drehen.
Mehr von uns später. Jetzt geh ich zuerst futtern.